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Netzwerken ohne Smalltalk: Kontakte knüpfen, wenn man Networking hasst

Wer Networking-Events meidet, ist nicht ungesellig, sondern reagiert vernünftig auf ein schlechtes Format. Was stattdessen funktioniert: ein Gespräch statt zwanzig, ein Anlass statt einer Agenda.

Kurz gesagt

  • Gezieltes Netzwerken aus Karrieregründen fühlt sich für viele unangenehm an — das ist kein Charakterfehler, sondern ein gut untersuchter Effekt.
  • Die wertvollsten Kontakte sind oft lose Bekannte: Sie wissen Dinge, die der eigene Freundeskreis nicht weiß.
  • Ein echtes Gespräch zu zweit bringt mehr als zwanzig Visitenkarten. Ein Anlass ohne Verwertungsabsicht macht es leichter.

Die kurze Antwort

Netzwerken ohne Smalltalk heißt: weniger Kontakte, dafür echte Gespräche. Statt auf Events zwanzig Menschen je drei Minuten zu treffen, sprichst du mit einem Menschen zwanzig Minuten lang — ohne zu verkaufen, ohne zu pitchen, mit einem klaren Ende. Daraus entstehen die Kontakte, an die man sich später erinnert.

Warum sich Networking so falsch anfühlt

Wer nach einem Networking-Abend erschöpft nach Hause geht und sich ein bisschen unehrlich vorkommt, ist damit nicht allein. Tiziana Casciaro, Francesca Gino und Maryam Kouchaki haben genau dieses Gefühl untersucht. Ihr Befund: Wenn Menschen Kontakte gezielt aus beruflichem Interesse knüpfen, fühlen sie sich danach häufig unwohl, fast moralisch beschmutzt. Bei Kontakten, die sich von selbst ergeben, tritt das deutlich schwächer auf.

Das hat Folgen: Wer sich beim Netzwerken schlecht fühlt, macht es seltener. Bemerkenswert ist auch, dass Menschen in mächtigeren Positionen das Unbehagen weniger spürten. Wer am Anfang steht und Kontakte am meisten brauchen würde, hat also die größte Hemmung.

Das Problem ist nicht das Kennenlernen. Das Problem ist der Hintergedanke, den beide Seiten spüren.

Die wertvollsten Kontakte sind die losen

Der Soziologe Mark Granovetter hat 1973 einen der meistzitierten Aufsätze der Sozialwissenschaften veröffentlicht: „The Strength of Weak Ties“. Die Idee ist einfach. Enge Freunde bewegen sich in denselben Kreisen wie du und wissen meist dasselbe. Lose Bekannte dagegen sind Brücken in andere Welten. Neue Informationen, etwa über offene Stellen, kommen deshalb oft gerade über Menschen, die man kaum kennt.

Daraus folgt etwas Entlastendes: Du musst nicht mit jedem eng befreundet sein. Ein gutes Gespräch, an das sich beide erinnern, reicht oft, damit aus einem Fremden ein loser Kontakt wird — und lose Kontakte sind genau die, die später den Unterschied machen.

Was stattdessen funktioniert

Warum Gehen dabei hilft

Smalltalk entsteht oft aus Verlegenheit: Man steht sich gegenüber, hält ein Glas und braucht etwas zu sagen. Beim Gehen fällt dieser Druck weg. Man schaut in dieselbe Richtung, Pausen sind normal, und das Gespräch darf langsamer in Gang kommen. Wir haben beschrieben, warum die besten Gespräche beim Gehen entstehen — und warum Gespräche mit Fremden meist besser laufen, als wir erwarten.

Ehrlich gesagt

Die Tipps oben sind Erfahrungswerte, keine Studienergebnisse. Belegt sind die beiden Grundlagen: dass berechnendes Netzwerken vielen unangenehm ist, und dass lose Kontakte besonders wertvolle Informationen liefern. Wie man daraus am besten eine Gewohnheit macht, ist eher eine Frage des Ausprobierens.

Eine Möglichkeit ist Solvitalk. In der Kategorie Business & Connect wirst du für 25 Minuten mit einem Menschen verbunden, der beruflich an etwas baut. Ihr geht jeder für sich spazieren und redet per Google Meet. Kein Pitch, keine Agenda, ein festes Ende — und wer mag, findet sich danach auf LinkedIn. Warum gerade 25 Minuten eine gute Länge sind, steht hier.

Serdar Freimoser · Gründer von Solvitalk

Schreibt über Gehen, Gespräche und die Frage, warum Vorsätze allein selten tragen. Kein Arzt, keine Therapeutin — was belegt ist, wird belegt; was Erfahrung ist, heißt Erfahrung.

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