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Walk and Talk: die älteste Idee für ein gutes Gespräch

„Walk and Talk“ klingt nach Serienregie und Silicon Valley. Der Gedanke dahinter ist über zweitausend Jahre alt — und lässt sich in zwei Worten sagen: solvitur ambulando.

Wer heute „Walk and Talk“ hört, denkt an zwei Dinge: an amerikanische Fernsehserien, in denen Figuren durch Flure eilen und dabei die halbe Handlung erklären — und an Manager, die ihre Besprechungen ins Freie verlegen. Beides stimmt. Beides ist aber nur die jüngste Schicht auf einer sehr alten Idee.

Zwei Worte, die alles enthalten

Solvitur ambulando — „es löst sich im Gehen“. Der Satz stammt aus der Antike und wird Diogenes zugeschrieben. Zenon hatte mit seinen berühmten Paradoxien bewiesen, dass Bewegung logisch unmöglich sei. Diogenes soll nicht widersprochen haben. Er stand auf und ging.

Das ist mehr als ein Scherz auf Kosten der Philosophie. Es ist eine Haltung: Manche Probleme lassen sich nicht denkend auflösen, sondern nur gehend. Nicht weil das Gehen klüger macht, sondern weil es einen aus der Schleife holt, in der man sich festgefahren hat.

Die Schule, die im Gehen unterrichtete

Aristoteles' Schule in Athen wurde die peripatetische genannt — von peripatos, dem Wandelgang. Ob die Schüler tatsächlich beim Gehen lernten oder ob der Name nur die Säulenhalle bezeichnete, darüber streitet die Forschung bis heute. Sicher ist: Die Vorstellung, dass Denken und Gehen zusammengehören, ist so alt wie die europäische Philosophie selbst.

Später hat es fast jeder aufgeschrieben, der viel nachgedacht hat. Kierkegaard notierte in einem Brief, er habe sich zu seinen besten Gedanken hingelaufen. Nietzsche misstraute allem, was im Sitzen entstanden war. Beethoven, Dickens, Virginia Woolf — die Liste der Geher ist lang und auffällig gut besetzt.

Warum der Begriff heute anders klingt

Den modernen Namen hat das Fernsehen geprägt. Aaron Sorkin machte den „Walk and Talk“ zum Markenzeichen: Figuren, die im Gehen reden, wirken dringlicher, und eine lange Erklärung fühlt sich weniger nach Erklärung an. Aus einer Denkhaltung wurde eine Kameratechnik.

Parallel dazu entdeckte die Arbeitswelt das Gleiche noch einmal für sich, als Walking Meeting. Steve Jobs führte seine wichtigen Gespräche im Gehen, und seither steht es auf jeder Liste mit Produktivitätstipps. Was dabei oft verloren geht: Es ging nie um Effizienz. Es ging darum, dass man im Gehen anders spricht.

Was heute dazugekommen ist

Einen Unterschied zur Antike gibt es allerdings. Diogenes und Aristoteles gingen mit Menschen, die ohnehin da waren — in derselben Stadt, derselben Schule, demselben Leben. Diese Selbstverständlichkeit ist verschwunden. Wer heute ein gutes Gespräch will, muss es organisieren: einen Termin finden, jemanden fragen, einen Ort ausmachen.

Genau diese Hürde lässt sich mit Technik wegnehmen, ohne dass die Sache selbst technisch wird. Zwei Menschen gehen — jeder dort, wo er gerade ist — und sind nur über die Stimme verbunden. Kein Video, keine Kacheln, keine Selbstansicht. Der Bildschirm bleibt in der Tasche, der Blick geht nach vorn.

Und wenn es gut läuft, passiert das, was der alte Satz verspricht: Man geht mit einem Knoten los und kommt ohne ihn zurück. Nicht, weil man ihn gelöst hat. Sondern weil er sich unterwegs gelöst hat.

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25 Minuten, ein Mensch, ein Spaziergang. Kopfhörer rein, raus, los.

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